Lächle, wenn du nichts zu verbergen hast (27 Okt. 2016)

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Der Kaffe ist bereits in der Tasse und wartet auf den ersten Schlug. Neben dem Kaffee steht ein Brettchen mit Zwei Scheiben Brot, welche darauf warten gegessen zu werden. Aus den Lautsprecher läuft ein Podcast mit einem Interview über Erinnerungen, während ich auf dem Smartphone die sozialen Netzwerke nach Neuigkeiten schaue. In meinem Feed Reader warten Artikel über den Bundesnachrichtendienst, De Maiziére und mehr Überwachung. Der erste Schluck aus meiner Tasse und ich wechsle die App auf Twitter und dann auf Diaspora. Es ist früh und morgens gibt es noch wenig Interaktion, so ist das ganze schnell abgearbeitet. Ich fahre zur Arbeit und blicke gelegentlich aufs Handy, was die Leute beschäftigt. Die üblichen verdächtigten informieren über den Wahnsinn der Überwachung. SoftwareentwicklerInnen, Adminis, (Netz-) AktivistInnen und Zusammenschlüsse von Menschen, sind die wenige welche Position beziehen. Der normale Nutzer in meiner Filter Bubble berichtet kaum bis gar nicht, über diese Nachrichten.

Im Sommer 2013 enthüllte der ehemalige CIA Mitarbeiter Edward Snowden, einen Teil der weltweiten Überwachung. Damals wurde vielen auf einmal bewusst, wie weit die Menschen und Regierungen nun gehen, um eine angebliche Sicherheit zu schaffen. Der Markt machte daraus ein Geschäft und geriet in ein Kampf mit seinen Mitbewerbern, wer die Bessere End zu End Verschlüsselung in seinen Messenger anbietet. Es folgte ein Marketing-Bullshit nach dem anderen. Anbieter bewarben uralte Technologien, als das neuste Wunder der Technik. Man führte ein, dass Emails vom Benutzer zum Server verschlüsselt werden, was aber auch seit Jahren möglich ist. Email made in Germany, macht jetzt eine private Email nicht durch magische Hand für alle unsichtbar. Man versuchte daraus Profit zu schlagen und warf den Menschen ein Placebo hin. Anscheinend hat es gereicht, weil die Menschen sich nicht mehr dafür interessieren. WhatsApp und der Facebook Messenger bieten ja bereit End zu End Verschlüsselung an. Aber dass man immer noch ablesen kann, wer, wann, mit wem, am welchen Standort schreibt, ist egal. Dass eine Überwachung der Bevölkerung gefährlich ist und man bereits aus Vergangenheit gelernt haben sollte, ist wohl vielen nicht so sehr Bewusst. Zu diesem Thema haben sich aber bereits viele Stimmen geäußert.

Der Tag ist fast vorbei und in den sozialen Netzwerken gab es weiterhin keine Reaktion, bis auf den üblichen Leuten. Der Rest aus der Filter Bubble interessiert sich nicht dafür. Blogger, Designer, Künstler und Journalisten leben in deren eigenen Welt. Was ich jedoch beobachten kann, ist dass die eigene Vermarktung eine größere Relevanz hat. Die Vermischung aus popkulturellen Referenzen wird gehypt, oder man beschäftigt sich mit den aktuellen Trends. Eigentlich sollten sich gerade die Personen damit beschäftigen, was uns bevorstehen kann. Überall wo eine konservative oder autoritäre Kraft an der Macht ist, werden Überwachungen gegen die Bevölkerung ausgenutzt. Journalisten berichteten über Grenzübergänge, bei welchen die Grenzer genau wussten wer man ist. Demonstranten welche bei Treffpunkten von der Polizei bereits erwartet wurden, ist auch keine Seltenheit. Akademiker welche ihre Arbeit verlieren, weil sie öffentlich Kritik ausüben. Wir erinnern uns an die Zeit, als Bücher von Autoren verbrannt wurden, welche dem Volke zur Bildung verhalf, aber nicht zu der gewünschten Bildung der amtierenden Machthaber. Statuen wurden zerschlagen und Malereien zensiert oder aus dem Auge der Gesellschaft entfernt. Was gemalt werden darf, wird diktiert. Was heute legal ist, kann morgen verboten sein und wer sich dagegen stellt, steht unter besonderer Beobachtung. Eine Videokamera hat noch kein Terroranschlag aufgehalten, die VDS stellt die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht und hat bis heute noch keinem Staat besonders effektiv gegen die Kriminalität geholfen. Der Bundesnachrichtendienst soll mehr Befugnisse erhalten und somit Verbindungsdaten von Ausländern im Ausland abhören, dass deren Filter nicht perfekt funktionieren ist auch bekannt und damit fallen Unmengen an Verbindungsdaten von Deutschen an, welche abgehört werden. Zur Information, wenn ihr euch im Ausland befindet und ein dortiges Netz benutzt, kann der BND nicht ohne mit zu lesen unterscheiden ob ihr nun Deutsch seid oder nicht. Wenn mehr Kameras auf den Autobahnen sind, können Bewegungsprofile entstehen und man weiß wo man sich befindet. Es ist selbstverständlich die Webcam am Laptop zu überkleben, aber nur aus Angst vor den Hackern. Dass auch Geheimdienste und Polizei dies machen können, interessiert wenige. Bereits der Kontakt zu einem Menschen kann für einen selber gefährlich werden. Ja jetzt spricht man darüber, es diene dem Schutz der Bevölkerung, doch was ist wenn die aktuellen Schreie aus dem Rechten Sektor überhand nehmen? Viele wünschen sich eine mächtige Person an der Spitze. Wollen wir für solch eine Situation, alles ebnen und vorbereiten? Wollen wir wirklich aufgeben und damit leben, dass unsere liebsten und nahestehenden Personen in eine Gefahr laufen? Sollen wir tatsächlich unsere Gedanken zensieren? Unsere Meinung nicht kundgeben? Den Journalismus einschränken? Uns vorschreiben lassen was richtig und was falsch ist? Liebe Künstler KollegInnen, DesignerInnen, ZeichnerInnen, Freunde des Journalismus und Blogger. Jeder kämpft für etwas, doch ignoriert es nicht, wenn euer Kampf gefährdet werden kann. Werdet laut und berichtet über den Wahnsinn, welcher in den Köpfen unserer Politiker steht.

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